Antworten an Andreas Spieß für ARD/ZDF

18. März 2021


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen im Auftrag unserer Mandantin, ein Medienunternehmen, welches unter anderem für das ARD/ZDF Netzwerk produziert. In einer der nächsten Produktionen unserer Mandantin geht es um eine ehemaliges Mitglied (nachfolgend "die Person") der Organischen Christus Gemeinde (OCG), welches über ihren Ausstieg aus der OCG berichtet. 

Unsere Mandantin möchte Ihnen bis zum 18. März 2021 die - freigestellte - Möglichkeit der schriftlichen Stellungnahme zu folgenden Aussagen dieser Person geben:

1. Die Person beschreibt, dass einer der Glaubensgrundsätze der OCG sei, nur im Organismus stark sein zu können, das Individuum hinter dem Organismus zurückgestellt werde und dass man sich aufopfere für den Organismus und einer Ideologie folge. Die Person beschreibt das Leben innerhalb der OCG-Gemeinschaft als Kontrollsystem, in dem man keine Chance habe, sich nach außen zu entfalten. 

• Antwort: Es ist korrekt, dass wir uns als Organismus verstehen – aber nicht nur uns OCGer, sondern die gesamte Welt mit allen Menschen, einerlei, wie das Individuum drauf ist. Weil dies so ist, wird das Individuum nicht zurückgestellt, sondern von allen unterstützt, in jeder Hinsicht gefördert, hochgehoben. Das ist der Grund, warum ich, Ivo Sasek, zum Beispiel schon seit 43 Jahren mein Leben für die Gesamtheit hingebe und allen Hilfsbedürftigen unentgeltlich diene. Nur wenn es dem Individuum gut geht, kann es dem Gesamten gut gehen. Der Gesamtleib kann immer nur so gesund sein, wie es die einzelne Zelle ist. Die OCG lebt nach einem schöpfungsgemässen Navigationsprinzip, und gerade dieses lässt keine Form eines menschlichen Kontrollsystems zu. Es ist genau wie bei den Vogelschwärmen zum Beispiel. Stellen Sie sich vor, die Vögel würden plötzlich anstelle der naturgemäss ergehenden »unsichtbaren Navigation-Impulsen« plötzlich irgendeinem der Vögel in ihrer Mitte folgen – das gäbe die wahre Katastrophe! Dito bei Fischschwärmen, Heuschreckenschwärmen, usw. Die Schwarm-Intuition lässt automatisch die stärksten Tiere vorne fliegen, damit die Schwächeren in ihrem Windschatten mitkommen. Ermüdet der voranfliegende Vogel, wechselt die Schwarm-Intuition automatisch die Positionen. Der ermüdete Vogel reiht sich etwas weiter hinten ein, um nach erfolgter Erholung wieder voran zu fliegen. Die Tatsache aber, dass gewisse Vögel an der Spitze fliegen, bedeutet niemals, dass deswegen diese den Schwarm anleiten. Sonst könnten Schwärme von Hundertausenden oder Millionen Tieren nicht in 0,5 Sekunden gemeinsam die Richtung wechseln usw. Wer nun aber immer solche Schöpfungs-Ereignisse wie etwa die »Schwarm-Intuition« mit »Führerschaft« verwechselt, vergreift sich an göttlichen Naturgesetzen. Wer zum Beispiel behauptet, dass Ivo Sasek, weil er von Zeit zu Zeit gleichsam »vorne fliegt«, deswegen »Herr der OCG« sei – irrt! Wir leben nach einer »Schwarm-Intuition«, die allerdings höher angelegt ist als der »Schwarminstinkt« von Tieren. Das ist auch der Grund, warum wir aus hunderten zuvor gespaltenen Hintergründen als harmonischer Organismus zusammenleben und all unsere organischen Werke wirken können. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die das Ganze, trotz aller Lehre, Erklärung und Coaching, missverstehen, widerlegt nicht diese funktionelle Tatsache. Wir leben nach dem Grundsatz des gemeinschaftlichen Friedens: Das bedeutet, dass wir sofort alle miteinander stillstehen, wenn irgendeines unserer Glieder Not hat, in irgendeiner Sache überfordert ist, oder keine frei ausfliessende Freude mehr erlebt, bei dem, was es tut. Jedes Individuum hat volle Entfaltungs-Möglichkeiten. Alle werden immerzu ermutigt, das zu sein, was sie wirklich sind, und nicht das, was allenfalls Menschen aus ihnen machen möchten. Jedes Individuum ist von Natur aus mit Begabungen ausgestattet, welche es von Herzen gerne ausleben und für den Organismus einbringen möchte. So drehen wir zum Beispiel Spielfilme, produzieren inspirierende Bücher, die wir dann ausschliesslich verschenken und vielerlei mehr. Produziert man zusammen einen Film, dann braucht es eine Art Kontrollsystem, wie es jeder Betrieb kennt. Hat man sich für eine Rolle gemeldet, dann hat man sich zuvor überlegt, dass man so oft zu den Dreh- und Produktionstagen erscheint, wie es das Produkt erfordert. Hat jemand eine Hauptrolle und steigt mittendrin aus, dann wird das von allen genauso empfunden, wie es nun einmal in jeder Filmcrew auf dieser Welt empfunden wird. Jede Art solcher Organisations-Notwendigkeiten als »Kontrollsystem« zu verunglimpfen, empfinden wir als abartig. Jeder OCGer entscheidet selber, in welchem Mass er sich an unseren Projekten beteiligen möchte. Jeder nur seiner persönlichen Herzensentscheidung, seiner persönlichen Kraft und inneren Freiheit gemäss. Wir dulden nichts Erzwungenes. Es gibt immer wieder einmal OCGer, die entgegen jeder Lehre und Ermahnung nicht davon ablassen können, »durch Leistung irgendwelche Anerkennung abzuverdienen zu wollen«. Gegen solche Auswüchse sind wir machtlos.


2.
Ferner sei diese Person von der OCG angehalten worden, Röcke zu tragen, die den Intimbereich bedecken. Sie beschreibt, dass Rauchen, Alkoholkonsum oder Pornographie “nicht gern gesehen wurde”. Sie spricht außerdem über das Thema Augenlust: Sie habe sich bestimmte Zeitschriften nicht ansehen dürfen, “weil das wäre ja dann Augenlust, ich hätte sofort weggucken müssen“. Außerdem sei ihr innerhalb der OCG gesagt worden, dass sie hässlich sei.

• Antwort: Niemand in der OCG nennt einen Mitmenschen hässlich – das geht gegen unser innerstes Prinzip, dass es für uns keine hässlichen Menschen gibt. Wir lieben alle Menschen, so wie sie sind – jede Form der diesbezüglichen Diskriminierung ist in der OCG geächtet.  Es ist korrekt, dass in der OCG Empfehlungen bezüglich unseres Erscheinungsbildes ausgehen. Wir wünschen uns in unseren Versammlungen ein gepflegtes Erscheinungsbild. Dabei gibt es aber keine detaillierten Kleidervorschriften. Wir haben so viele weibliche Wesen in Hosen wie in Röcken etc. Auch in unseren Bühnenpräsentationen lässt sich leicht ersehen, dass wir keine »gesetzlichen Vorschriften« kennen. Ganz besonders, was jemand privat tut, interessiert nicht: Was wer für Kleider trägt, ob jemand raucht, Alkohol trinkt oder nicht, geht uns nichts an. Auch was sich jemand anschaut, ist seine eigene Sache. Nun gibt es aber viele Leute, die als »Rehabilitanden« zu uns kommen. Diese kommen mit Alkoholproblemen, Sucht-Problemen, sexuellen Problemen, usw. und erhoffen sich Hilfe von uns. Jeder Laie hat schon gehört, dass für einen schweren Alkoholiker in aller Regel nur eine Null-Abstinenz helfen kann. Daher ermutigen wir ganz grundsätzlich zu einem rücksichtsvollen Lebensstil – solchen Mitgliedern gegenüber. Also besser, man zündet sich keine Zigarette an, wenn man doch weiss, dass sein Gegenüber »im Kampf um seine diesbezügliche Freiheit« steckt. Dito mit Alkohol etc. Solche Rücksichtnahme sollte jedem Normalsterblichen einleuchten.


3. Diese Person spricht über Gewalt als “ein ganz normales Züchtigungsmittel“ in der OCG. Dies bezieht sie auf die Kindererziehung: „Wenn man merkt, dass das Kind absichtlich etwas nicht macht, das ist dann Boshaftigkeit, sollte es geschlagen werden“.

• Antwort: Die OCG lehnt jede Form der Gewalt ab – allem voran Gewalt gegen Kinder und Schwache überhaupt. 
Wenn eine Mutter sieht, wie ihr Kind auf die Strasse rennt und sie packt das Kind im letzten Moment am Arm, sodass es nicht von dem vorbeidonnernden Verkehr erfasst wird, dann hat das nicht irgendetwas mit Gewalt zu tun – selbst wenn sie das Kind ruckartig vom Randstein zerrt. Dasselbe, wenn sie ein Kind im letzten Moment von einer Steckdose wegreissen sollte. Das bare Gegenteil geschieht dann: Je mehr sie dieses Kind liebt, desto besinnungsloser greift sie nach ihm, wenn es in Gefahr kommt. In der OCG gibt es nur ein einziges Gesetz, und das ist das Gesetz des Geistes des Lebens. Das meint: Jedes Wort, jede Tat, jede Ermahnung oder Eingriff wird daran bemessen, ob in allen damit »mehr Leben, mehr Frieden, mehr Freiheit, mehr Freude« entstanden ist. Wenn nicht auch jede nötig scheinende Korrektur in solcher Weise beide Seiten »hochführt«, in diesem Fall Elternteil + Kind, dann bleiben wir gemeinsam stehen und fragen uns – warum? Alles Erzwungene ist falsch, weil es nicht wirklich naturgemäss »geworden« ist. Daher ist es auch ein grosser Fehler, wenn Menschen ihre Mitmenschen mit Gewalt, Waffengewalt etc. unterjochen. Alles, was nicht vom Herzen her freiwillig geworden ist, ist nicht geworden!


Etwaige Korrespondenz ist ausschließlich über uns zu führen.

    • Antwort: Wie autoritär und sektiererisch klingt das denn?


Mit freundlichen Grüßen,

Andreas Spieß
Rechtsanwalt